Innovationskongress SPACES 2012: Ausblicke auf die Arbeitswelt von morgen

Die Arbeitswelt befindet sich im Wandel. Doch wie wird der Arbeitsplatz der Zukunft aussehen, und welche Konsequenzen resultieren daraus? Der am 27. November 2012 in Hamburg stattfindende und von Angermann gesponserte Innovationskongress SPACES 2012 will aufzeigen, wie mobile Bürokonzepte die Attraktivität von Arbeitgebern und Städten revolutionieren werden. Bernd Fels, Geschäftsführer des Veranstalters if5 anders arbeiten, gab inpuncto vorab Auskunft, auf welche Veränderungen wir uns einstellen können.

Organisationsstrukturen im Wandel

Was erwarten Sie als Veranstalter von dem Kongress?
Fels:
Einen Perspektivwechsel für die Arbeits- und Büroorganisation. „Mein Haus, mein Boot, mein Pferd“ war gestern. Heute gilt stattdessen: „nutzen statt besitzen“. Das Prinzip ist ökonomisch, ökologisch und gesellschaftlich sinnvoller und wird zukünftig verstärkt Einzug in deutsche Büros halten. Hierzu möchten wir aufklären und sensibilisieren sowie Chancen und Risiken aufzeigen. Außerdem wollen wir im Rahmen des Kongresses das Konzept mithilfe der teilnehmenden Experten, Wissenschaftler und Vordenker auf Herz und Nieren prüfen und Umsetzungswege abgleichen.

Der Veranstaltungsort ist eine leer stehende Bestands­-immobile in zentraler Hamburger Lage. Inwiefern hat diese Wahl Symbolcharakter?
Fels:
Allein in Hamburg gibt es bei Gewerbeflächen einen Leerstand von ca. 1 Mio. m². Wohnungen sind hingegen knapp. Ein Wahnsinn! Die demografische Entwicklung, das „Arbeiten, wo und wann man will“ sowie die Tendenz zur Dezentralisierung der Arbeit erfordern weniger neue Hochglanzbüros, sondern ein Beleben guter alter Bausubstanz. Wir haben als Veranstaltungsort deshalb bewusst eine leer stehende Immobilie gewählt, die wir temporär in eine aufregende Tagungsfläche verwandeln können. So erleben die Teilnehmer quasi am Objekt, wie und wo mobile Bürokonzepte mit Aufenthaltsqualität erzeugt werden können.

Was sind die größten Veränderungen, die uns in der Arbeitswelt bevorstehen?
Fels:
Die Frage beantworte ich am liebsten im Rahmen eines ein- bis zweitägigen Visionsworkshops, den wir für Unternehmen organisieren. Sicher ist, dass sich die Arbeitswelt in naher Zukunft grundlegend wandeln wird. Wir nennen es auch den „Tsunami der Veränderungen“. Mit dem müssen sich Unternehmen proaktiv auseinandersetzen. Demografische Entwicklung, boomende Gesundheit, wissensbasierte Ökonomie, digitales Leben, Business-Ökosysteme, Umsteuerung bei Energie und Ressourcen sind in dieser Hinsicht nur einige Stichworte. Unsere Analyse der Megatrends hat eindeutig gezeigt, dass die Organisation von Arbeit und damit von Büroimmobilien für Wissensarbeiter immer fluider wird.

Sie gehen von dezentralen Organisationsstrukturen für die Zukunft aus? Was ist erforderlich, damit sich diese Vision erfüllt?
Fels:
Die Vision ist doch schon längst Realität. In Zeiten der Globalisierung und der Projektwirtschaft arbeiten bereits heute Heerscharen von unterschiedlichen Mitarbeitern, Projektpartnern, Freelancern, Aushilfskräften und Be­ratern an komplexen Aufgabenstellungen. Das erfordert Mobilität in der Fortbewegung und Flexibilität bei der Aufgabenerfüllung sowie vor allem geeignete Kollaborationsangebote: nicht nur in Form einer modernen IT-/ TK-Ausstattung, sondern speziell auch durch die dezentrale Flächenbereitstellung. Aber auch der Wunsch der Arbeitnehmer nach Arbeitsort- und Zeitflexibilität wird die Nachfrage nach dezentralen Büros in Zukunft spürbar erhöhen, denn: Der „Flaschenhals der Zukunft“ ist der Mitarbeiter. Vor dem Hintergrund des „war for talents“ wird dieser seine Bedürfnisse vermehrt äußern und zunehmend auch Gehör finden.

Was bedeutet das für den Büromarkt?
Fels:
Unseres Erachtens wird es weniger Neubauprojekte geben. Die zunehmende Dezentralisierung geht einher mit kleineren Nutzungseinheiten von 1.000 bis 2.000 m² Mietfläche in Bestandsflächen. Diese werden sich in zentraler, verkehrstechnisch günstiger urbaner Lage, in Vororten, Subzentren von Ballungsräumen und in ländlichen Mittelzentren befinden.

Sind heute fertiggestellte Bürogebäude daher schon morgen anachronistisch?
Fels:
In Teilen schon. Der Bewusstseinswandel, dass Flächen anders organisiert werden können, hält erst peu à peu in den Unternehmen Einzug, aber er wird unseres Erachtens kommen. Die Nachfrage nach neuen Bürogebäuden wird also nicht sofort wegbrechen. Zudem hängt einiges davon ab, wie sich die Energiepreise in den nächsten Jahren entwickeln. Wenn beispielsweise der Benzinpreis extrem steigt, so wird die Fahrt ins Büro teurer, und der dezentrale Bürostandort vor der Haustür wird interessanter. Es ist aber auch die Frage, inwieweit bestehende Immobilien hinsichtlich ihrer Betriebskosten optimiert werden können und wie viel gute alte Bausubstanz da ist. Denn nur Bestands­gebäude mit Qualität haben das Zeug zum dezentralen Büro.

Was bedeuten dezentrale Organisationsstrukturen für den Arbeitnehmer?
Fels:
Kurze Wege, mehr Zeit, einen geringeren persönlichen CO2-Fußabdruck. Sie bedeuten aber auch flexibleres Arbeiten. Vorteile und Nachteile wie die hiermit einhergehende Gefahr der Entgrenzung der Arbeit gilt es in den nächsten Jahren individuell und gesellschaftlich in den Griff  zu kriegen.

Ist Deutschland international ein Vorreiter?
Fels:
Wir stehen im Vergleich zu anderen Ländern erst am Anfang. In den Niederlanden und in Südkorea gibt es beispielsweise erste umgesetzte Projekte. Sogenannte Smart Working Center und Coworking Spaces werden dort vermehrt angeboten. Wenn Deutschland es schafft, hier aufzuholen, dann haben wir die Chance, neben nachhaltigen Technologien auch nachhaltige Flächenbereitstellungskonzepte zu etablieren. Auch dem Innovationsfortschritt Deutschlands wird das guttun, denn die reale Bürowelt wird immer mehr um eine virtuelle ergänzt. Hier gilt es ein gesundes Miteinander zu etablieren, um die Vorzüge einer harmonischen und erfolgreichen Work-Life-Integration leben zu können.

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