Hamburg soll mit Technologieparks zu Deutschlands Innovationshauptstadt werden

Die Handelskammer hat ein Konzept und detaillierte Standortvorschläge für ein Netz von Technologie- und Gründerparks in Hamburg vorgelegt. Technologieparks fördern insbesondere forschungs- und technologieaffine Existenzgründungen und Neuansiedlungen von Unternehmen und leisten damit einen erheblichen Beitrag für den Erfolg von Wissenschafts- und Wirtschaftsstandorten. Hamburg habe bisher unerklärlicherweise auf dieses Instrument verzichtet, während Technologieparks seit Anfang der 1980er Jahre nahezu flächendeckend in Deutschland eingerichtet wurden, heißt es in dem Papier. Dabei seien die Bedingungen auch im Hinblick auf die Forschungslandschaft vielversprechend. Hamburg könne sich zudem die jahrelangen Erfahrungen bei der konkreten Ausgestaltung der Parks zunutze machen. „Mit den ‚HIP Hamburg Innovations Parks‘ können wir erreichen, dass Hamburg zur Innovationshauptstadt Deutschlands wird“, sagte Handelskammer-Vizepräses Dr. Thomas M. Schünemann. In Anbetracht der großen Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung Hamburgs sei für die Umsetzung zwar teilweise politischer Mut aufzubringen, doch eine wirkliche Alternative gebe es nicht. Eine aktuelle Karte gibt es bei der HK hier.

Um als Standort für Hochtechnologie und als Gründerhochburg für forschungsintensive Unternehmen zu den erfolgreichen Regionen in Süddeutschland aufzuschließen, bedürfe es in Hamburg jetzt eines „großen Wurfes“, so Prof. Hans-Jörg Schmidt-Trenz, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer. Hamburg müsse daher nicht nur ein oder zwei Technologieparks errichten, sondern in dieser Dekade ein ganzes Netz von Parks aufbauen. Konkret schlage die Handelskammer sechs Standorte in Harburg, Bergedorf, Eppendorf, Lurup, Rotherbaum und Rothenburgsort vor, die aufgrund ihrer Nähe zu Forschungseinrichtungen oder Hochschulen besonders für die HIPs geeignet seien, dies schließe weitere oder alternative Vorschläge aber keinesfalls aus:

Der HIP Harburg profitiert von der Nähe zur TU Hamburg-Harburg mit ihren Forschungsschwerpunkten Biotechnologie sowie Energie- und Umwelttechnik und zum Channel Hamburg. Er könnte auf der „Bahnhofsinsel“ zwischen Schlachthofstraße und Harburger Umgehung (A 253) platziert werden.
Für den HIP Bergedorf spricht die dort angesiedelte Fakultät „Lifesciences“ der Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Geeignete Flächen mit unmittelbarem Autobahnanschluss sind südlich des Bergedorfer Zentrums und östlich des Curslacker Neuen Deichs vorhanden.
Der HIP Eppendorf ist an das Universitätsklinikum mit seiner Krebsforschung angedockt. Hier sind durch Umstrukturierungen des Geländes Flächen frei geworden, die durch eine Verlagerung der Sportflächen östlich des Lokstedter Steindamms noch deutlich vergrößert werden könnten.
Die Verbindung mit dem Deutschen Elektronen-Synchrotron DESY macht den HIP Lurup insbesondere in den Bereichen Physik, Chemie, Pharmazie, Biologie und Materialwissenschaften attraktiv. Kern könnte ein Max-Planck-Institut werden, das aus dem „Center for Free-Electron Laser Science“ hervorgehen könnte. Neben Flächen auf dem DESY-Gelände stehen stadteigene Flächen am Vorhornweg für eine Erweiterung zur Verfügung.
Der HIP Rotherbaum in der Nähe der Universität Hamburg könnte trotz der dichten Bebauung durch eine Umnutzung der Gewerbeschule G2 an der Bundesstraße und Flächen an der Reinfeldstraße realisiert werden.
Für den HIP Rothenburgsort im Dreieck zwischen der Universität Hamburg, der TU Hamburg-Harburg und der Hochschule für Angewandte Wissenschaften sowie in unmittelbarer Nähe der entstehenden Hafencity Universität könnte für den Forschungsschwerpunkt „grüne Technologien“ ein Fraunhofer-Institut angesiedelt werden. Das bis zu 46 Hektar große Areal könnte zu Hamburgs größtem technologieorientierten Industrie- und Gewerbegebiet werden.

Als Basis- und Erfolgskriterien hat die Kammer mit Blick auf bereits etablierte Technologieparks in anderen Regionen drei Faktoren ermittelt: Ausschlaggebend sind die direkte Nähe zu einer Ankerinstitution, also einer selbstständigen Forschungseinrichtung oder einer Hochschule, günstige und erweiterbare Flächen und Service- und Beratungsleistungen für Gründer in betriebswirtschaftlichen Fragen. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, muss ein Technologiepark auf die unterschiedlichen Wachstumsphasen der Unternehmen reagieren können. Nach dem Konzept der Handelskammer dient ein „Inkubator“ als Keimzelle für gründungswillige Wissenschaftler und Absolventen. Nach spätestens fünf Jahren steht der Wechsel der Jungunternehmen in das „Technologiezentrum“ an, in dem sie weiter durch Infrastrukturangebote und Serviceleistungen unterstützt werden. Zu einem späteren Zeitpunkt können sich die ausgewachsenen Unternehmen in einem „technologieorientierten Gewerbepark“ ansiedeln.

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