Heimarbeit: Immer weniger Menschen üben ihren Beruf von zu Hause aus

Nachdem es nach der Jahrtausendwende zunächst immer mehr Heimarbeiter gab, ging ihre Zahl ab 2008 in fast allen Berufsgruppen kontinuierlich zurück. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat die Heimarbeit in Deutschland analysiert, einen europäischen Vergleich gestellt und ermittelt welche Berufsgruppen für die Heimarbeit prädestiniert sind. Knapp fünf Millionen Erwerbstätige haben ihren Beruf im Jahr 2012 hauptsächlich oder gelegentlich zu Hause ausgeübt. Vor allem hochqualifizierte Arbeitnehmer wie Manager, Wissenschaftler, Juristen, Publizisten, Ingenieure oder Lehrer arbeiten in den eigenen vier Wänden; die Mehrheit hat einen Hochschulabschluss.

Selbstständige arbeiten am häufigsten von zu Hause aus

Von den Arbeitnehmern gehen knapp acht Prozent zu Hause ihrem Job nach. Das sind etwa genauso viele wie 20 Jahre zuvor (Abbildung 1).

Die Zahl der Personen mit Heimarbeit war 2012 nur so hoch wie 20 Jahre zuvor (Quelle: DIW Wochenbericht Nr. 8, 2014)
Abb.1. Die Zahl der Personen mit Heimarbeit war 2012 nur so hoch wie 20 Jahre zuvor. (Quelle: DIW Wochenbericht Nr. 8, 2014, S. 132)

In der viel kleineren Gruppe der Selbstständigen ist die Heimarbeit weitaus stärker verbreitet. Selbstständige können oft darüber entscheiden, wo sie ihrem Beruf nachgehen. Es ist nicht ungewöhnlich, wenn Wohnung und Arbeitsstelle zusammenfallen, wie z.B. bei der Landwirtschaft oder auch in anderen Wirtschaftsbereichen.

Kaum Unterschiede zwischen Männern und Frauen

Vollzeitkräfte arbeiten etwas häufiger zu Hause als Teilzeitbeschäftigte und Männer öfter als Frauen. Die Unterschiede sind aber gering und statistisch kaum auffällig. Abhängig Beschäftigte mit Kindern im Haushalt arbeiten häufiger zu Hause als solche ohne Kinder. Doch auch hier ist der Unterschied nicht groß. Wenn Kinder im Haushalt sind, gehen abhängig beschäftigte Männer etwas häufiger (knapp zehn Prozent) einer Erwerbstätigkeit zu Hause nach als abhängig beschäftigte Frauen (acht Prozent). Dieses Ergebnis überrascht, denn Frauen sind viel stärker als Männer darauf bedacht Berufstätigkeit mit Haushalt und Familie in Einklang zu bringen. Offenbar wird dieses im Wesentlichen durch verkürzte Arbeitszeiten erreicht.

Heimarbeit in der EU nimmt zu

Wenn Arbeitnehmer in Deutschland zu Hause arbeiten, dann meist nur gelegentlich: Im Jahr 2012 gingen sechs Prozent (2,1 Millionen) aller abhängig Beschäftigten hin und wieder ihrem Job zu Hause nach, überwiegend taten das lediglich 1,6 % (knapp 600.000). Der Anteil letzterer ist bereits seit 2004 rückläufig; bei den Beschäftigten mit gelegentlicher häuslicher Erwerbstätigkeit setzte der Trend 2008 ein und hielt bis 2011 an (Abbildung 2). In der EU zeigt sich indes eine gegenläufige Entwicklung: Häusliche Berufstätigkeit ist auf dem Vormarsch. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland im unteren Mittelfeld. Viel stärker verbreitet als hierzulande ist die Heimarbeit insbesondere in den skandinavischen Staaten sowie in Frankreich, dem Vereinten Königreich und in mitteleuropäischen Ländern wie der Schweiz, Österreich, Belgien und Luxemburg.

Abb.2. In der EU wächst der Anteil der Arbeitnehmer mit Heimarbeit, in Deutschland hat er dagegen zuletzt abgenommen. (Quelle: DIW Wochenbericht Nr. 8, 2014, S. 133)
Abb.2. In der EU wächst der Anteil der Arbeitnehmer mit Heimarbeit, in Deutschland hat er dagegen zuletzt abgenommen. (Quelle: DIW Wochenbericht Nr. 8, 2014, S. 133)

„Viele Chefs sind Kontrollfreaks“

Doch wie ist diese unterschiedliche Entwicklung zu erklären? Karl Brenke, Arbeitsmarkt- und Konjunkturexperte hat für den DIW die Analyse erstellt und erklärt in einem Spiegelonline Interview, dass es in Deutschland relativ viele Arbeitsplätze in der Industrie gäbe, die sich nicht für die Heimarbeit eignen würden. Insgesamt lasse sich die gegenläufige Entwicklung dadurch aber nicht erklären, weil sich die deutsche Berufsstruktur von der in Schweden oder Großbritannien nur wenig unterscheide. Karl Brenke glaubt vielmehr, dass die Unternehmenskultur den Unterschied begründet: „Die Beschäftigten haben dort mehr Freiräume. In deutschen Firmen herrscht Anwesenheitswahn, viele Chefs sind Kontrollfreaks. Sie wollen, dass ihre Mitarbeiter von neun bis fünf am Schreibtisch sitzen.“

Allgemeine Akzeptanz der Heimarbeit muss erhöht werden

Das Centre of Human Resources Information Systems (CHRIS) der Universitäten Bamberg und Frankfurt am Main hat mit ihren aktuellen Studien „Recruiting Trends 2014“ und „Bewerbungspraxis 2014“ ebenfalls nennenswerte Ergebnisse zum Thema Heimarbeit ermittelt: Fast die Hälfte der 1.000 größten deutschen Firmen bieten ihren Mitarbeitern die Option an, ihre Arbeit im Home Office zu erledigen. In etwa jedem zehnten Unternehmen beschweren sich jedoch interne Mitarbeiter häufig darüber, dass sie mehr Arbeit erledigen müssten als ihre Kollegen im Home Office. Die aktuelle Kandidatenstudie „Bewerbungspraxis 2014“ zeigt in diesem Zusammenhang, dass 16,5 Prozent der befragten Karriereinteressierten denken, ihr persönliches Arbeitspensum würde sich durch die Zeit, die ihre Kollegen im Home Office verbringen, erhöhen. Auf der anderen Seite befürworten 85,5 Prozent die Möglichkeit, Arbeit von zu Hause aus zu erledigen. Dazu sagt Bernd Kraft, Vice President General Manager CE bei Monster: „Arbeitgeber sind gefordert aktiv Kommunikation zu betreiben, um das Konzept Home Office im Betriebsalltag effizient zu integrieren und die allgemeine Akzeptanz zu erhöhen.“

Anwesenheitspflicht verschenkt Potentiale

Eine positive Entwicklung der Heimarbeit wäre ein Gewinn für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Denn flexibles Arbeiten ist der Schlüssel für Produktivität und Kreativität. Das bestätigte im November 2013 eine internationale Studie der Regus Group. Hierfür wurden über 20.000 Führungskräfte und Firmeninhaber in 95 Ländern unter dem Aspekt „flexibles Arbeiten“ befragt. Der Studie zufolge sind 76 Prozent der deutschen Firmen überzeugt, dass flexibles Arbeiten die Produktivität ihrer Mitarbeiter steigert. Zudem glauben sie, dass es für bessere (66 Prozent) und schnellere (64 Prozent) Entscheidungen sorgt sowie die Kreativität (76 Prozent) fördert. Arbeitsmarktexperte Karl Brenke bestätigt ebenfalls, dass Heimarbeit nicht nur für viele Mitarbeiter ein Gewinn ist, sondern letztlich auch fürs Geschäft: „Die Rechnung ist doch ganz einfach: Bekommen Arbeitnehmer Beruf und Familie besser unter einen Hut, steigt die Zufriedenheit – und das fördert wiederum die Produktivität.“

 

2 Gedanken zu „Heimarbeit: Immer weniger Menschen üben ihren Beruf von zu Hause aus“

  1. Also mittlerweile braucht man gar nicht mehr selbständig zu sein um seine Tätigkeiten von zu Hause aus ausüben zu dürfen. Ich kenne viele die in einem Angstelltenverhältnis stehen und nur noch ganz sporadisch in die Firma fahren. Rund 90 % der Arbeit wird dann im Homeoffice oder im Außendienst verrichtet. Wenn der Chef einem das anbietet warum sollte man das dann auch ablehnen.

    Gerade für Angestellte die von der Firma weiter weg wohnen ist das sicherlich eine angenehme Sache.

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